Der Osten wehrt sich gegen das Reformpaket

Shownotes

Im Osten sind drei von vier Menschen ausschließlich auf die gesetzliche Rente angewiesen und nirgendwo sonst haben so viele so lange gearbeitet und so wenig privat vorgesorgt. Warum die Rentenreform das noch verschärfen könnte und was das mit der Nachwendezeit zu tun hat, erklärt diese Folge – mit einem exklusiven Interview mit der Ministerpräsidentin von Mecklenburg-Vorpommern, Manuela Schwesig, die deutliche Worte gegen die Reformen findet und Widerstand im Bundesrat ankündigt.

  • Das ganze Interview mit Manuela Schwesig könnt ihr hier nachlesen
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Credits:

  • Moderation: Sabine Schicketanz und Robert Ide
  • Redaktion: Myriel Desgranges, Sonja Gillert und Hilda Lücker
  • Schnitt und Produktion: Lilian Hoenen
  • Sounddesign und Musik: Milan Lukas Fey
  • Foto und Covert-Art: Lydia Hesse und Manuel Kostrzynski

Transkript anzeigen

00:00:02: Deshalb haben diese Reformen alle ein Ziel.

00:00:10: Wir brechen auf in die Zukunft, wir machen uns stark damit wir in der neuen Zeit gut leben können und das gilt für die älteren aber das gilt auch und vor allem für die jungen Generation.

00:00:21: Ich habe ja nicht so viel erwartet und trotzdem können wir von diesem kleinen Paketchen eigentlich nur verwundert sein.

00:00:27: Also die haben ja weiß Gott was versprochen und jetzt am Ende

00:00:30: bedeutet das eine mini-steuerreform,

00:00:31: dafür große

00:00:32: große

00:00:32: Belastungen bei der

00:00:33: Rente.".

00:00:34: Wem soll man da glauben?

00:00:36: Kanzler Friedrich Merz, der für seine Reformen wirbt oder der linken Opposition?

00:00:41: Wie wir gerade gehört haben waren Parteichefin Ines Schwertner davor dass diese geplanten Reformen für viele Leute vor allem teurer würden.

00:00:50: Der Frage, was die Reform eigentlich bedeuten?

00:00:53: Besonders für die Menschen in Ostdeutschland gehen wir in dieser Folge nach.

00:00:57: Und hierfür habe ich exklusiv mit Manuela Schwesig sprechen können der Ministerpräsidentin von Mecklenburg-Vorpommern.

00:01:03: Sie hat sich kurz vor unserer Aufnahme nochmal extra Zeit genommen für unseren Podcast und mich in der Landesvertretung Mecklinburg- Vorpomern zum Interview empfangen und sie findet darin wirklich deutliche Worte insbesondere Richtung Kanzler Friedrich Merz.

00:01:29: Wir beginnen bei unserem Blick auf die Reformen mit der Rentenreform.

00:01:32: Denn die ist für Ostdeutschland besonders entscheidend und das hat historische Gründe.

00:01:36: Das ganze Thema ist wirklich komplex, aber wir versuchen es mal ganz einfach zu erklären denn am Ende betrifft es uns ja alle gleichermaßen.

00:01:44: Fangen wir erstmal damit an was die Renten reform an Veränderungen bringen soll.

00:01:48: dabei sind zwei Punkte besonders wichtig.

00:01:51: erstens Die abschlagsfreie Rente mit dreiundsechzig Jahren wird abgeschafft.

00:01:56: Das heißt, es gilt nicht mehr dass man in Rente gehen kann wenn man forty-fünf Jahre gearbeitet und Beiträge gezahlt hat ohne das die Rente sinkt.

00:02:07: Und zweitens sollen Zukunft die sogenannte Halte-Linie wegfallen.

00:02:10: Das sagt ja schon das Wort, diese hält das bisherige Rentenniveau auf forty-eight Prozent des durchschnittlichen Lohnniveaus.

00:02:17: und diese forty-fortysch Prozent sollen jetzt nur noch die bekommen, die in den nächsten fünf Jahren in Rente gehen.

00:02:22: für alle anderen danach sind die forty acht Prozent nicht mehr sicher.

00:02:25: oder wie es in den Worten von Friedrich Merz heißt?

00:02:28: Die gesetzliche Rentenversicherung allein wird allenfalls noch die Basisabsicherung sein für das Alter.

00:02:34: Okay, liebe Sabine.

00:02:35: Jetzt lass uns mal darauf schauen was das für Ostdeutschland bedeutet!

00:02:40: Also beide Punkte bringen für die Menschen in Ostdeutland Nachteile.

00:02:44: Denn diese Rente mit dreiundsechzig oder besser nach fünfundvierzig Berufsjahren in denen man eingezahlt hat in die Rente ist bislang im Osten total wichtig weil hier die sogenannte Erwerbsbiografie Das ist das Fachwort für die Zeit in der Menschen arbeiten und eben in die Rente einzahlen, weil diese Erwerbsbiografie im Durchschnitt länger ist.

00:03:07: Das liegt daran dass man in der DDR jünger angefangen hat zu arbeiten und es dabei weniger Unterbrechungen gab vor allem bei den Frauen.

00:03:15: die haben einfach weniger Pausen gemacht wenn sie Kinder bekommen haben.

00:03:19: Und jetzt war es bislang so, dass viele dieser Menschen sagen konnten okay ich habe forty-fünf Jahre gearbeitet und Beiträge gezahlt.

00:03:27: Jetzt ist Schluss!

00:03:28: Ich gehe in Rente, ich bekomme meine Rente ohne Abschläge die volle

00:03:32: Rente.".

00:03:34: Ja und jetzt soll's ja so sein das man in diesem Fall eben nur eine reduzierte Rente kriegt?

00:03:39: Entweder weiterarbeiten muss, damit man das Geld bekommt oder eben tatsächlich weniger Rente hat.

00:03:44: Die Rente mit rein Sechzig haben zuletzt rund zwei Komma vier Millionen Menschen beansprucht und zwar vor allem in Ostdeutschland.

00:03:51: Wenn die jetzt nach der Reform aufhören zu arbeiten bekommen sie erst mal weniger Rnte.

00:03:56: Aber dazu kommt ja noch dass diese Halte Linie von der du eben gesprochen hast Robert In fünf Jahren dann auch wegfallen soll Und damit die Renten möglicherweise insgesamt sinken.

00:04:08: Selbst wenn das Ziel ist, dass man diese achtundvierzig Prozent des Lohnniveaus eben für die Rente halten möchte.

00:04:15: Naja nun wird ja empfohlen und das ist ja auch gut.

00:04:18: Das wissen wir alle, wenn man ihm zusätzlich zur gesetzlichen Rente vorsorgt also mit Betriebsrenten, Aktienrentenvermögensaufbau.

00:04:24: nur das können und konnten viele Ostdeutsche ja überhaupt nicht machen.

00:04:29: sie haben eben schlicht gar kein Vermögen und dazu hast du ja ein paar Zahlen mitgebracht.

00:04:33: In Ostdeutschland sagen Studien, sind drei von vier Rentnern komplett auf die gesetzliche Rente angewiesen.

00:04:41: Genau gesagt sind das im Osten eben dreien Siebzig Prozent der Rentner, die nur die gesetzliche Rnte haben und im Westen im Vergleich dazu sind es siebenundvierzig Prozent also ganz deutlich weniger.

00:04:53: Das

00:04:53: ist echt schon ein krasser Unterschied!

00:04:55: Und da fragt man sich natürlich woran liegt denn das jetzt?

00:04:57: Das liegt vor allem an der Nachwenderzeit.

00:05:00: Es gab da Massenarbeitslosigkeit.

00:05:03: Viele Menschen haben ihre Arbeit verloren, sie mussten neue Berufe erlernen.

00:05:07: in dieser Zeit haben Sie natürlich keine Rentenpunkte erworben.

00:05:10: eine Betriebsrente gab es auch eher nicht und sie hatten einfach kein Geld um irgendwie noch selbst vorzusagen.

00:05:18: also ich erinnere mich an diese zeit eigentlich sehr genau weil meine mutter zum beispiel die ist ja auch arbeitslos gewesen sie hatte erst gearbeitet bei der ddr fluggesellschaft hinterflug Und die wurde ja dann abgewickelt wie so viele andere Betriebe auch und danach war sie in Umschulungsmaßnahmen, Arbeitsbeschaffungsprogramm.

00:05:35: Und da neben unserer Küche gab es noch eine Speisekammer, die hat sich denn ausgebaut zu einem Arbeitszimmer und da weiß ich noch, wie sie da saß an der Schreibmaschine und immer versucht hat, Schreibmachine zu lernen unter all diese neuen Dinge zu lernen, die sie vielleicht für einen neuen Beruf braucht Und sie musste eben komplett neu anfangen und das hat natürlich Jahre gedauert.

00:05:52: Das war ja bei vielen Ostdeutschen so, in dieser Zeit konnte auch meine Mutter halt nichts für die Rente sparen.

00:05:58: Ja, daran wird offensichtlich heute viel zu wenig gedacht.

00:06:01: Es scheint ganz weit weg und trotzdem hat es folgen bis jetzt.

00:06:06: Ich würde sagen dafür kann in Ostdeutzschland niemand etwas, dass es so war.

00:06:15: Bis heute hat die Deutsch-Deutsche Teilung Auswirkungen auf die Rnte Auch weil die Ostdeutschen wesentlich weniger Vermögen haben als die Westdeutsche.

00:06:24: Und dazu sind die Zahlen ja wirklich krass!

00:06:26: Wir beschränken uns jetzt hier mal auf die wichtigsten, beim Vermögens ist es so dass sich die Lücke zwischen Ost und West sogar vergrößert hat in den letzten twenty-fünf Jahren.

00:06:36: Das Durchschnittsvermögen liegt im Westen zweieinhalb Mal so hoch wie im Osten

00:06:40: Und bei den Rentnern war es so im Jahr zwanzig-einundzwanzig, dass die Rentner im Osten ein Vermögen hatten von einem Durchschnitt hundertfünfzigtausend Euro.

00:06:51: Da wird alles eingerechnet, Immobilien-, Geldanlagen usw.

00:06:55: Im Westen hatten dieselben Rentner einen Vermögens von dreihundertsechzigtaussend Euro im Durchschnitt.

00:07:01: und klar das hat wiederum Folgen nämlich, dass im Oßen auch viel weniger vererbt wird.

00:07:08: Bezogen auf die Rente heißt das alles jetzt.

00:07:11: Die Menschen, die jetzt weniger Rente bekommen sollen, haben oft gar keine anderen Reserven und keine privaten oder beruflichen Rentenzahlungen

00:07:20: mehr.".

00:07:21: Und da sagen manche natürlich schon in der politischen Debatte unter anderem DIE LINKE mit ihrem sozialen Profil – es drohe jetzt besonders in Ostdeutschland noch mehr Altersarmut!

00:07:30: Ob das wirklich so ist und ob der Osten wirklich deutlicher belastet werden würde bei diesen Reformen als der Westen, dazu haben wir für diesen Podcast Das Deutsche Zentrum Für Altersfragen gefragt.

00:07:43: Liebe Frau Schickethans!

00:07:45: Die Rentenreform als Ganzes trifft Menschen in Ostdeutschland nicht Pauschaltstärkheits im Westen – dafür gibt es keine belastbaren Anhaltspunkte.

00:07:52: Aber es gibt einzelne Maßnahmen die unterschiedliche Auswirkungen haben werden.

00:07:55: Eine davon ist die Abschaffung der abstachsfreien Frührente.

00:07:59: Die dürfte Menschen in Ostdeutschland deutlich häufiger betreffen.

00:08:02: Der Grund?

00:08:03: Im Jahrzehntelsohn drehen zwanzig hatten vierundsechzig Prozent der Rentnerinnen und Rentner in OstDeutschlands zwischen fünfundvierzig-und fünfzig Versicherungsjahre, in Westdeutschein waren es zweieinfünfzigkommandrei Prozent.

00:08:15: Besonders groß ist der Unterschied bei den Frauen.

00:08:18: Knapp vierzig Prozent die RentnerInnen im Osten kamen auf Fünfund vierzig oder mehr Versicherungss Jahre Im Westen waren es lediglich nur noch mehr als ein paar Prozent.

00:08:27: Wir gehen davon aus, dass das auch künftig so bleibt – dass ein größerer Anteil der Rentenzugänge in Ostdeutschland von einer Abschaffung der abschachtsfreien Frührente stärker

00:08:35: betroffen

00:08:36: wäre als im Westen.

00:08:38: Mit freundlichen Grüßen Dr.

00:08:39: Lara Romeo Gordo, Kommissarische Leiterin des Bereichsforschungs- und stellvertretende Institutsleiterinnen.

00:08:47: Wenn das jetzt so bleibt, dann ist es natürlich auch kein Wunder dass die Politik in Ostdeutschland wirklich beunruhigt ist.

00:08:52: Besonders jetzt vor den wahlenen Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern.

00:08:55: Und besonders die amtierenden Regierungschefs also Manuela Schwesig von der SPD in Mecklinburg Vorpommern und Sven Schulze von der CDU in Sachsen Anhalt Die müssen ja jetzt Wählerinnen und Wähler überzeugen Dass sich diese Reformen auch lohnen die jetzt gerade im Berlin beschlossen werden sollen.

00:09:09: Aber die Bundesregierung von CDU und SPD macht jetzt solche Pläne die eigentlich dann den ostdeutschen bisschen zu widerlaufen.

00:09:16: Wie Manuela Schwesig zu diesen Plänen steht, dazu konntest du Robert Sia gerade befragen in der Landesvertretung von Mecklenburg-Vorpommern?

00:09:24: Hören wir doch mal rein.

00:09:25: In dein Interview!

00:09:48: Und weder eine Betriebsrente noch ein privates Vermögen.

00:09:54: und deshalb schaue ich auch immer sehr kritisch auf Veränderung bei der Rente.

00:09:58: Deswegen ist es gut, dass das Ziel jetzt ist, des Rentenniveaux von forty-eight Prozent weiter abzusichern.

00:10:03: Kritisch stehe ich den Punkt, dass es nicht mehr die abschlagsfreie Rente nach forty-fünf Beitragsjahren geben soll und dass man auch nicht mehr nach Beitragsjarren rechnet sondern nach Lebenserwartungen.

00:10:13: Das sind die Lebenserwartungen.

00:10:15: Es ist ne durchschnittliche statistische Größe.

00:10:17: Die sagt aber den Einzelnen gar nichts aus.

00:10:20: Und ich finde Beitragsjahre gerechter, das ist die Frage wie lange jemand gearbeitet hat und auch eingezahlt hat und seinen Beitrag zum System gelastet hat?

00:10:28: Wenn ich jetzt forty-fünf Jahre gearbeitet habe und dann immer noch nicht ohne Abzüge in die Rente gehen kann, denn entsteht ja doch ein ziemliches Ungerechtigkeitsgefühl bei dem Menschen denke ich mal oder?

00:10:38: Total!

00:10:39: Also das ist das Thema was die Leute vor Ort am meisten aufregt und ich kann es selber nachvollziehen weil... ...die Frage dass wenn jemand früh anfängt zu arbeiten.

00:10:47: Es muss ja einen Unterschied machen, ob ich schon mit achtzehn Anfangen zu arbeiten und einzuzahlen oder erst mit achtundzwanzig.

00:10:53: Und es sind auch viele aus der Wirtschaft die das schwierig finden.

00:10:56: gerade Handwerksbetriebe oder aus dem Stahlbaubereich weisen darauf hin.

00:11:01: Leute unsere jungen Leute, die fangen früh anzuarbeiten und können nicht noch über fünfundsechzig, siebenundsechszig durchhalten und da müsst ihr andere Regeln schaffen.

00:11:11: Ich finde nicht dass erstmal die Leute krank werden müssen um darauszukommen.

00:11:14: Was können Sie denn jetzt als Ministerpräsidentin tun?

00:11:17: Sie können es natürlich öffentlich vertisieren, aber wie geht Ihre Arbeit weiter um das vielleicht noch zu verhindern oder zumindest so verbessern.

00:11:23: Es gibt drei Möglichkeiten die ich habe und ich nutze alle drei.

00:11:26: Erstens natürlich öffentlich meine Stimme zu erheben, um den Menschen, die es betrifft ja auch die Stimme geben, deutlich zu machen.

00:11:33: Vergesst nicht wir hart viele Menschen arbeiten und sie schaffen's jetzt schon nicht bis fünfundsechzig oder siemon sechzig.

00:11:39: zweitens dass wir die Möglichkeiten nutzen direkt der Bundesregelung zu sprechen.

00:11:45: Und ich selber habe zum Beispiel mit Bärbel Baas gerade über diese Regelungen gesprochen und ihr deutlich gemacht, warum ich das kritisch sehe.

00:11:51: Und drittens wir werden jetzt einen Gesetzgebungsverfahren bekommen und da hat ja der Bundesrat – also wir Länder haben immer die Möglichkeit im Bundesrat unsere Änderungsanträge zu stellen, mitzureden und uns auch für Veränderungen, für Verbesserungen einzusetzen.

00:12:06: ist es schwierig für Sie jetzt mitten im Wahlkampf, indem man ja eigentlich mal jetzt erstmal ein bisschen Ruhe an der Bundesfront haben möchte.

00:12:13: Jetzt auch noch einmal öffentlich die Stimme zu erheben gegen die Reformen, die die Bundesregierung und die Koalition mit großer Mühe sich ausgedacht haben und nun endlich durchsetzen wollen?

00:12:24: Naja, wissen Sie, wenn zehn Wissenschaftler und drei Abgeordnete zusammen sich beraten und dann Vorschläge machen?

00:12:30: Dann ist es auf dem ersten Blick eine gute Sache.

00:12:32: Aber die müssen dann, wenn sie vorher niemand anderen eingebunden haben – und wir wurden nicht eingebundet – auch damit leben, dass man auch Kritik äußert.

00:12:38: Das ist in einer Demokratie so.

00:12:40: Und die Bürgerinnen und Bürger in meinem Bundesland wissen das ich mich immer zu Wort melde, wenn es ihre Interessen betrifft.

00:12:46: Und gerade bei der Rente sind wir schon lange im Einsatz!

00:12:49: Weder meine Partei, noch Frau Merkel wollten damals die Angleichung Ost-West.

00:12:54: Die haben wir aus dem Osten heraus durchgesetzt mit der Hilfe dann von Andrea Nahles.

00:12:58: In meiner Partei aber auch Frau Merkel wollte lange nicht die Grundrente, die ja vielen Menschen im Osten hilft, die kleine Einkommen hatten Aber die haben wir dann mit Hubertus Heil durchgesetzt.

00:13:07: Also ich bin es gewohnt, gerade beim Thema Rente die Stimme zu erheben und zu kämpfen.

00:13:12: Und das ist das eine.

00:13:13: Das ist meine Aufgabe als Ministerpräsidentin.

00:13:15: Das andere ist die Landtagswahl im September.

00:13:18: Da geht es dann vor allem um Themen aus MV.

00:13:21: Haben Sie nicht Angst dass denn solche Debatten gerade Ihnen vielleicht auch im Wahlkampf schaden könnten?

00:13:26: Insgesamt wissen wir ja, dass die Stimmung in der Bevölkerung gegenüber der Bundespolitik ums Netz zu sagen, durchwachsen ist.

00:13:34: Viele sind sehr frustriert gerade weil sie die Ansprache immer vom Kanzler kriegen.

00:13:38: ihr arbeitet nicht genug.

00:13:39: jetzt halt man noch bei Gesundheit, Pflege und Rente.

00:13:42: das sind glaube ich die falschen Tonlagen die es da auch gibt.

00:13:45: natürlich spielen im Osten solche Sozialreformen eine ganz große Rolle weil viele obwohl sie hart arbeiten haben nur kleine und mittlere Einkommen Und Ich finde dass grade Gesundheit und Pflege Versprechen eines Sozialstaates.

00:14:02: Wer sich anstrengend, wer seinen Beitrag leistet muss auch sicher sein dass er Not wenn er krank wird oder Pflegebedarf hat das ihm geholfen wird und vor allem dass er später eine sichere Rente hat.

00:14:12: Sie haben jetzt ganz im März ein Spiel gebracht der ja immer sagt Mensch die Leute sollen mehr arbeiten gehen und so erscheint sich damit eher an die westdeutschen zu wenden bei denen die Arbeitszeit immer weiter durchschnittlich zurückgeht Und die ostdeutschern arbeiten schon sehr lange.

00:14:26: Also hat denn der Kanzler wirklich den Osten eigentlich genug im Blick?

00:14:30: Wenn er so redet, nicht.

00:14:31: Denn genau das ist ja das Problem, dass die Leute sagen wir arbeiten schon mehr als im Westen und haben kleinere Löhne als im Westen Und wenn er über die vier Tage Woche redet dann redet er an den meisten Menschen vorbei.

00:14:44: Es geht gerade jetzt bei den Reformen um die hart arbeitenden Leute Die auch ihre Beiträge zahlen, die ihren Beitrag für diesen Sozialstaat leisten.

00:14:52: Da finde ich muss man sehr sensibel sein was man denen noch zumuten will.

00:14:56: Vielleicht letzte Frage noch zur Rente.

00:14:57: Glauben Sie, dass die Rente so wie sie jetzt angedacht ist?

00:15:01: Die Rentenreform, das die wirklich dann am Ende des Jahres genau so kommen wird?

00:15:05: Also ich kann mir vorstellen, dass es noch viele Diskussionen gibt, dass noch der eine oder andere Punkt angesprochen wird.

00:15:10: Ich habe Punkte angesprochen, die mir wichtig sind und ich finde, das sollte auch in einer Demokratie so sein.

00:15:14: Ich hab mich sehr an dem Satz gestört von Herrn Merz und das muss jetzt eins zu eins umgesetzt werden und deshalb bin ich froh, dass ja von dem Eins zu Eins nichts mehr im Koalitionspapier zu finden ist.

00:15:25: Vielen Dank für das Gespräch und die Zeit.

00:15:27: Danke schön!

00:15:36: Das sind deutliche Worte von Manuela Schwesig, zumal wenn man bedenkt dass sie anderen ostdeutschen Ministerpräsidenten sich bei unserer Anfrage zur Rentenreform bislang weggeduckt haben oder um das nette auszudrücken zumindest kurzfristig nicht oder noch nicht auf unsere Anfragen geantwortet haben.

00:15:54: Na und Ihre Ansage, dass die Rentenreform jetzt auf keinen Fall eins zu eins kommt?

00:15:59: Das dürfte auch an Ihrer eigenen Parteifreunde gerichtet sein.

00:16:02: Denke ich mal Sozialministerin Werbel Baas und Vizekanzler und Finanzminister Lars Klingbei.

00:16:07: Die waren beide übrigens auch am Montagabend beim Sommerfest von Mecklenburg-Vorpommern in der Landesvertretung dort.

00:16:13: Und an den stetischen Dassamans schon wie Manuela Schwesig auf die beiden eingeredet hat.

00:16:17: also meine Wette wäre hier wird noch nachverhandelt zumindest hinter den Kulissen!

00:16:28: An diesem Podcast haben viele Journalistinnen und Journalisten des Tagesspiegels mitgearbeitet.

00:16:33: Solche Recherchen sind Teamarbeit, brauchen Ressourcen.

00:16:54: gerne kurz nach darauf schauen, was sich die Rentenkommission ausgedacht hat um die Auswirkungen der Rentenreform etwas abzumindern.

00:17:03: Zum einen soll es eine Schutzrente geben für langjährige Beitragszahler wenn diese aus gesundheitlichen Gründen kurz vor der Rente nicht mehr arbeiten gehen können.

00:17:12: dann bekommen sie also die volle Rente und zum anderen sollen diejenigen die Grundsicherung bekommen also ein ganz geringes Einkommen haben nicht mehr die ganze gesetzliche Rente darauf an rechnen müssen.

00:17:24: Es gibt also dann einen Rentenfreibetrag und die Menschen haben dann mehr Geld.

00:17:29: Bleibt natürlich jetzt die Frage, was jetzt geschieht mit dieser Reform?

00:17:32: Also verabschiedet werden soll sie bis Ende des Jahres aber das sind ja auch noch ein paar andere Formen gerade in der Mache oder?

00:17:39: Ja allerdings hält sich mein Optimismus da etwas in Grenzen nicht... die Umsetzung betrifft, aber was die Auswirkungen der Reformen betriffe.

00:17:48: Denn es liegt denn schon nah aus meiner Sicht, dass dieses ganze Reformpaket mit Steuern, Krankenkassenreform, Pflegerreform eine soziale Schieflage

00:17:56: hat.".

00:17:57: So hat es jedenfalls Marcel Fratscher, der ist der Chef des Instituts der Deutschen Wirtschaft kurz DEW gesagt.

00:18:05: Und ja, das DEW wird oft nah bei Rot-Grün verortet und es wird von den Konservativen kritisiert.

00:18:12: Doch seine Aussagen die lassen aus meiner Sicht für Menschen mit geringem Einkommen in Ost oder West nicht so viel Gutes

00:18:19: hoffen.".

00:18:19: Was sagt denn der DEW-Chef?

00:18:22: Er meint, dass es diesem Reformvorstoß eben an Gerechtigkeit mangle.

00:18:27: Dieses ganze Reformpaket habe eine soziale Schieflage mit den geplanten Reformen bei Rente, Gesundheit und Pflege.

00:18:35: da würden vor allem Menschen mit wenig Einkommen und wenig Ersparnissen harte Einschnitte erfahren sagt Fratscher aber – das lässt mich auch aufhorchen – auch Menschen mit einem mittleren Einkommen.

00:18:47: Ja, und das würde ja dann alle treffen.

00:18:49: Ost wie West vor allem jedenfalls bei Steuern, Gesundheit und der Pflege.

00:18:53: also im Osten zeigen sich wieder mal deutlich die Probleme des ganzen Landes finde ich

00:19:05: So!

00:19:05: Das war jetzt ein ganz schöner Ritt durch einen ziemlich kompliziertes Themenfeld aber wir hoffen sehr ihr habt etwas mitgenommen aus unserer Debatte und auch aus dem Interview mit Manuela Schwesig.

00:19:16: Und damit holen wir jetzt Atem und kommen zum ganz anderen Thema in unser schönen Rubrik

00:19:25: Unsere Rubrik mit besonderen Dingen aus Ostdeutschland.

00:19:28: Und die hast du uns diesmal wieder mitgebracht, Robert?

00:19:31: Denn was viele vielleicht ja nicht wissen... Du bist im Winter auch immer als Reporter für den Tagespiegel beim Berliner Filmfestival Berlinale unterwegs!

00:19:39: Genau und da habe ich im Wettbewerber auch einen wirklich besonderen Film gesehen aus Ostdeutschland, der genau heute am neunten Juli in die Kinos kommt.

00:19:46: Und er heißt auch noch etwas ganz Besonderes ist ein Familiendrama das so gefühlvoll diese vielen Umbrüche einer Familie zeigt im thüringischen Greiz!

00:19:57: Und weil sich die pubertierende Tochter Lea bei einer Castingshow bewirbt, da brechen dann plötzlich die Konflikte auf zwischen allen Generationen aber irgendwie auch der Wunsch wieder neuen Zusammenhalt zu finden Zwischen Jung und All, zwischen denen die weggegangen sind.

00:20:11: Und vielleicht auch wieder zurückgekommen sind auf der einen Seite... ...und in den Dagebliebenen auf der anderen Seite.

00:20:16: Und ja – auch zwischen Ost- und West!

00:20:19: Das klingt auf jeden Fall so als wenn ich diesen Film unbedingt sehen wollen würde….

00:20:23: …und nach einem wörtlichen Coming of Age für gleich mehrere Generationen.

00:20:27: Auf jeden Fall müssen andauernd alle neu anfangen.

00:20:31: Am meisten verkörpert das eben die Lea, die aus diesem Dorf ausbricht, in die weite Welt der Castingshow.

00:20:37: Gespielt wird sie von Frieda Hornemann, einer an neunzehn Jahre jungen Abiturientin aus Leipzig.

00:20:42: Das ist ihre erste große Rolle!

00:20:44: Für unseren Podcast durfte ich sie interviewen und habe sie gefragt warum sich selbst so viele Leute in ihrer Generation noch Ostdeutsch fühlen?

00:20:52: Also das ist ja auch eigentlich voll krass zu sehen dass die Leute in meinem Alter überhaupt nicht erlebt haben trotzdem noch diese ganzen Gefühle fühlen die ihre Eltern fühlen oder Großeltern die da halt total drin waren.

00:21:06: Und das finde ich ja eigentlich, dass zeigt ja noch mehr wie krass man verkackt hat bei der Wiedervereinigung oder wie sehr da noch Sachen sind die noch aufgearbeitet werden müssen.

00:21:17: Oder Klärungsbedarf haben und man sieht ja, da ist der Osten einfach noch abgehängt Da wird nicht hingeschaut.

00:21:24: Es ist ja auch so, dass man diese ganzen wirtschaftlichen Nachteile jetzt in meiner Generation spürte.

00:21:33: Da spricht sie etwas an, was auch zu unserer Rentenfolge passt übrigens.

00:21:37: Solange die Vermögen nicht angeglichen sind zwischen Ost und West.

00:21:41: solange werden offensichtlich auch die heute jungen Leute sich bei ihrer Rente noch benachteiligt sehen.

00:21:46: Es scheint also ein ziemlich ehrlicher Film zu sein über die Lage im Osten.

00:21:50: Also ich kann ihn auf jeden Fall empfehlen und er hat wirklich viele Ware, aber auch zum Glück einige lustige Stellen.

00:21:56: Etwa als Lea dann zur Castingshow kommt und den anderen jungen Teilnehmenden aus dem tiefen Westen erklären soll wo sie denn eigentlich herkommt.

00:22:03: Hören wir mal rein!

00:22:21: Also da muss ich schon lachen im Kino, weil dieses Schweigen von ihr nachdem er N-Petal gesagt hat.

00:22:27: Ich glaube so sagt man das, ne?

00:22:29: Also dieses gleiche Schweigen, das kennt man irgendwie als Ostdeutscher wenn man von sich selber erzählt und vielleicht sind wir uns ja alle irgendwie doch viel näher als wir denken.

00:22:43: Das ganze Interview mit Frieda Hornemann könnt ihr auf taggespiegel.de nachlesen.

00:22:48: Den Link findet ihr in unseren Shownotes Und auch in unserem kostenlosen Tagesspiegel Newsletter im Osten, der immer Donnerstags kommt.

00:22:55: Könnt ihr noch viel mehr lesen über Ostdeutschland?

00:23:10: Bis

00:23:19: dahin könnt ihr uns euer Feedback in den Kommentaren hinterlassen oder per Mail senden an podcast.tagespiegel.de.

00:23:27: Wir haben auch wieder bei Spotify eine Umfrage unter dieser Folge eingestellt, dort könnt ihr sagen um welche Themen wir uns zukünftig kümmern sollten.

00:23:34: auf jeden Fall freuen wir uns das ihr zuhört und wenn er das gerne tut dann empfiehlt uns doch unbedingt weiter und abonniert natürlich dem Podcast Dann verpasst ihr keine folge

00:23:42: bis nächste Woche also wieder bei im Osten wo Deutschland sich entscheidet.

00:23:47: Im Osten,

00:23:53: wo Deutschland sich entscheidet

00:23:55: ist ein Podcast vom Tagesspiegel.

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