Junge Menschen im Osten: Was bewegt sie, was bewegen sie?

Shownotes

Der islamistische Terroranschlag auf den CSD in Berlin wirft Fragen auf – über Sicherheit, über Verantwortung, und auch über die Folgen für die Wahlkämpfe in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern. Was das für eine Generation bedeutet, die im Osten aufgewachsen ist und dort gestalten will, erzählen junge Menschen aus verschiedenen ostdeutschen Bundesländern in dieser Folge selbst. Außerdem sprechen Sabine Schicketanz und Julius Geiler mit Kulturredakteurin Lena Schneider darüber, was das Filmerbe der DEFA über den Osten erzählt und was man daraus heute noch lernen kann.

  • Hier geht es zum Artikel über junge Menschen aus Mecklenburg-Vorpommern
  • Hier findet ihr die Studie vom Berlin-Institut zu jungen Menschen aus Ostdeutschland
  • Hier findet ihr die Studie der Deutschen Jugend und Kinderstiftung zu politischen Einstellungen und dem Wahlverhalten junger Menschen
  • Mehr Analysen, Einordnungen und Geschichten aus Ostdeutschland gibt es im kostenlosen Tagesspiegel-Newsletter Im Osten. Er erscheint jeden Donnerstag und blickt nahbar, kontinuierlich und tiefgehend auf Politik und Gesellschaft im Osten.

Schickt uns eure Fragen, Feedback oder Themenwünsche gern an podcast@tagesspiegel.de.

Credits:

  • Moderation: Sabine Schicketanz und Julius Geiler
  • Redaktion: Myriel Desgranges, Sonja Gillert und Hilda Lücker
  • Schnitt und Produktion: Lilian Hoenen
  • Sounddesign und Musik: Milan Lukas Fey
  • Foto und Covert-Art: Lydia Hesse und Manuel Kostrzynski

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00:00:02: Tagesspiegel.

00:00:08: Das ist für mich

00:00:09: wichtig, dass wir beispielsweise so Themen wie doppelte Staatsbürgerschaft

00:00:13: bei Menschen die als Gefährder eingestuft sind diskutieren müssen.

00:00:17: ich möchte nicht mehr das menschen die doppelten Staatsbürger schafft die deutsche und ihre eigene dann haben wenn sie hier als gefährder leben.

00:00:23: Es ist ein Wahlkampf, da müssen wir die Emotionen mal zurückfahren.

00:00:26: Aber wir müssen unbedingt jetzt auf die Grundursachen zurückkommen.

00:00:29: Das ist hier verfehlte innere Sicherheit in diesem Land und das ist der Umstand, dass hier hunderttausende Menschen sind, die unkontrolliert um dieses Land gekommen sind.

00:00:35: Und es geht so nicht weiter – ich habe die Nase voll!

00:00:38: Der islamistische Terroranschlag auf den Christopher Street Day in Berlin sorgt für Trauer, für Bestürzung und für Entsetzen.

00:00:45: Er macht wütend und er macht auch Angst.

00:00:48: Er wirft viele Fragen auf nach der Verantwortung des Staats und seiner Behörden Und er hat Folgen für die Wahlkämpfer.

00:00:55: In Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und in Berlin.

00:00:59: Daher blicken wir heute erst einmal auf die politischen Auswirkungen dieses Anschlags besonders im Osten – bevor wir zum eigentlichen Thema dieser Folge kommen!

00:01:08: Was bewegt und was bewegen junge Menschen im Oston?

00:01:25: Gerade haben wir die Stimme von Sven Schulze, dem aktuellen CDU-Ministerpräsidenten von Sachsen Anhalt gehört der sich am sechsten September zur Wiederwald stellt.

00:01:35: Danach hörten wir Ulrich Sigmund von der AfD, der ebenfalls Ministerpräsident werden will und derzeit in den Umfragen deutlich vorne liegt.

00:01:44: Daran zeigt sich schon jetzt welche Auswirkungen der Anschlag auf die Migrationspolitik haben könnte und wie sich die einzelnen Kandidaten positionieren.

00:01:53: Schulze hat sich konkret aber relativ sachlich geäußert und betont, dass der Anlass für seine Forderung nicht etwa der aktuelle Anschlag in Berlin ist sondern das diese Forderungen auf den Weihnachtsmarktanschlag von Magdeburg zurückgehen.

00:02:09: Der CDU-Politiker Schulze, er will unter anderem das Gefährdern keine doppelte Staatsbürgerschaft mehr zusteht und in die deutsche Staatsbürgerschaft entzogen wird.

00:02:19: Das hat Schulze am Montagabend gesagt beim Wahlforum der Kollegen vom Redaktionsnetzwerk Deutschland in Magdeburg.

00:02:26: Da sind er und der AfD-Kandidat Siegmund ordentlich aneinander geraten woran man schon merkt wo es da jetzt hingeht.

00:02:34: besonders bei dem Thema Migration könnte sehr polarisiert werden.

00:02:38: Ja, das wurde natürlich vor allem bei Siegmund deutlich.

00:02:41: Er sagte die deutsche Staatsbürgerschaft werde aktuell zum Fenster rausgeworfen und es sei ein in Anführungszeichen Kuschelkurs wenn radikalisierten jungen Leuten Beratung angeboten werden.

00:02:53: man müsse recht staatlich hart durchgreifen.

00:02:57: was ich jetzt natürlich viele Menschen fragen Sabine ob am Ende tatsächlich die AfD bei den Wahlen im Osten von diesem CSD-Anschlag profitieren wird.

00:03:08: Ja, dieser Gedanke liegt natürlich nahe aber Expertinnen und Experten sehen das durchaus unterschiedlich.

00:03:14: Es gibt eine Studie der Goethe Universität in Frankfurt am Main.

00:03:17: die hat belegt dass die AfD im Vorfeld von wahlenverübten Anschlägen völlig unabhängig übrigens mit welchem ideologischen Hintergrund diese Anschläge stattgefunden haben Dass die AfD da immer profitieren konnte.

00:03:33: Der Politikwissenschaftler Benjamin Höne allerdings von der Technischen Universität Chemnitz, hat unseren Kollegen in der Tagesspiegel Berlin-Redaktion gesagt dass er da skeptisch ist.

00:03:44: Zwar meint auch er das die AfD versuchen wird aus dem Anschlag politisch Kapital zu schlagen und dass ihr das wahrscheinlich eher in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern gelingen wird als im Berlin.

00:03:56: doch gleichzeitig sieht Höne zwei Fakten die dagegen sprechen.

00:04:01: Erstens hatte der Tatverdächtige eine deutsche Staatsbürgerschaft und ist hier geboren, in Berlin geboren.

00:04:07: Bedient also nicht das typische Narrativ der AfD indem sie behauptet Einwanderung sei die Ursache für Gefahr und Kriminalität.

00:04:15: Und dann gibt es noch einen zweiten Punkt den Höhne anführt und er bezieht sich auf das Ziel dieses Anschlags nämlich die queere Community die ja bekanntermaßen nicht gerade von der AfD unterstützt wird, um es zurückhalten zu sagen.

00:04:28: Die Partei stellt sich deutlich dagegen und will zum Beispiel Regenbogenflaggen an Schulen verbieten.

00:04:32: darüber haben wir hier im Podcast auch schon gesprochen.

00:04:36: Trotzdem befürchtet die queere Community jetzt dass sie von den Rechten- und von den Rechtsextremisten instrumentalisiert wird wenn die auf ihre Kosten dann Stimmung machen gegen den Islam und gegen Migration.

00:04:48: Das hat auch Luna Möbius gesagt.

00:04:51: Sie ist eine Transaktivistin und ein Grünmitglied aus Sachsen-Anhalt, sie isst viel politisch auf Social Media unterwegs und in ihrer Heimat in Sachsen Anhalt da tritt sie offen gegen die AfD auf.

00:05:04: Am Sonntag hat sie hier in Berlin eine sehr emotionale Trauerrede am Brandenburger Tor gehalten.

00:05:10: Und darf ich dann nicht vielleicht doch mal sagen dass die Lage beschissen ist?

00:05:15: Und das es mich nicht wundert dass queere Menschen angegriffen werden, denn das was gestern passiert ist.

00:05:21: Das ist doch nicht das erste Mal, dass quere Menschen in Deutschland sterben!

00:05:26: Und wie soll ich mich denn fühlen wenn nicht ohnmächtig?

00:05:29: Wenn Rechtsextreme und Rechtskonservative versuchen uns jetzt hier als Feigenblatt zu

00:05:33: nutzen?!

00:05:34: Den brennt wohl der Helm aber definitiv nicht!

00:05:37: Ich bin hier nicht das Feigenblatt für irgendeine rechtsextreme Scheindebatte.

00:05:41: Das Problem

00:05:42: ist

00:05:43: Extremismus, egal woher er kommt der ist zu verurteilen!

00:05:51: Das Problem... ...ist nicht ein Glauben und das Problem ist auch nicht ob und was ich zwischen meinen Beinen habe Auch wenn Ulrich Siegmund sich dafür sehr interessiert.

00:06:03: Das problem ist Extremismus.

00:06:09: Aus Gründen wird im Osten besonders viel auf den Rechtsextremismus geschaut, auch von der queeren Community.

00:06:16: Aber Bedrohungen und Angriffe kommen auch aus anderen Richtungen.

00:06:20: Das ist dir jetzt bei deiner Arbeit sehr deutlich geworden Julius.

00:06:23: Du hast viel zu dem Anschlag in Berlin recherchiert Und du bist dabei auf einen Fall gestoßen Der sich in Dresden ereignet hat.

00:06:31: Ja ich würde sagen weniger gestoßend.

00:06:32: Ich habe mich viel mehr erinnert Denn dieser Fall hat mich in den vergangenen Jahren regelmäßig beschäftigt vor allem weil er vergleichsweise wenig Aufmerksamkeit bekommen hat.

00:06:43: Ich kann ja ganz kurz erzählen, was da passiert ist, weil sicherlich vielen unserer Hörer dieser Fall auch nicht bekannt sein wird.

00:06:50: Im Oktober-Zw.A.

00:06:52: besuchte das homosexuelle Paar Thomas und Oliver L aus NRW für ein paar Tage Dresden als Touristen.

00:06:59: Sie lebten damals in einer eingetragenen Lebenspartnerschaft.

00:07:03: Am Abend des vierten Oktober spaziert das Paar durch die Dresdner Altstadt, als der zwanzigjährige Syrer Abdullah Harpunkt völlig unvermittelt und hinter rücks von hinten angreift und dem beiden Männern jeweils einen Messer in den Rücken rammt.

00:07:19: Thomas L stirbt noch vor Ort.

00:07:21: Oliver L überlebt schwer verletzt.

00:07:23: diese Attacke Abdullah H. handelte aus islamistischen Motiven und hatte das Paar vorher beobachtet, also so ja man kann sagen ausgespielt.

00:07:33: Diese Attacke in Dresden war der erste Islamistisch motivierte Mord an Homosexuellen in Deutschland und hat erstaunlich viele Parallelen zur Tat die sich jetzt in Berlin ereignet hat auch weil der Täter in Dresten damals Abdullah Ha sehr jung war, zwanzig Jahre als er diese Tat begangen hat Und auch, weil er unter Beobachtung der Behörden stand.

00:07:54: So wie Abdul Baloud in Berlin.

00:07:57: Er wurde wenige Tage vor seiner Tat in Dresden aus dem Jugendarrest entlassen.

00:08:03: Besonders krass an diesem Fall finde ich immer noch, dass das queerfeindliche Motiv also das dort gezielt homosexuelle als Ziel auserkoren worden sind von dem Täter erst durch Medienrecherchen öffentlich geworden sind.

00:08:14: Die sächsische Polizei die Staatsanwaltschaft und auch das sächse Innenministerium hatten das nämlich zuvor verschwiegen und nicht öffentlich gemacht.

00:08:27: Wir werden im Tagesspiegel natürlich weiter zu dem Anschlag recherchieren.

00:08:31: Auch du Julius Und wir könnten jetzt noch lange darüber sprechen, welche politischen Auswirkungen der Anschlag haben wird und dabei würde es wahrscheinlich auch wieder viel um die AfD gehen.

00:08:42: Wir haben uns aber nach gründlicher Überlegung entschieden dass wir das heute nicht machen wollen und dass wir nicht nur der Beschäftigung mit der AfD hier Raum geben wollen sondern und das auch in Reaktionen auf viele eurer Kommentare und Hinweise, dass wir besser zuhören wollen was Menschen im Osten Deutschlands bewegt.

00:09:00: In dieser Folge wollen wir uns vor allem mit dem jungen Osten beschäftigen.

00:09:05: Dazu haben wir Jugendliche, vor allem junge Menschen befragt und gebeten uns eine Sprachnachricht zu senden.

00:09:11: Wir haben ihnen drei Fragen gestellt.

00:09:13: Wir wollten wissen was sie an ihrer Heimat lieben?

00:09:16: Was Sie selbst für ihre Heimat bewegen und wie sie den Blick von außen auf Ostdeutschland wahrnehmen.

00:09:27: Bevor wir zuhören, wollen wir euch aber eine Einordnung geben wie die Jugend tickt was sie wählt welche Themen Sie beschäftigen und warum das für die Zukunft von Ostdeutschland und damit auch für unser ganzes Land so wichtig ist.

00:09:40: Das liegt natürlich vor allem daran dass von den jungen Menschen die Zukunftsperspektive von ganzen Regionen abhängen.

00:09:47: wenn sie dort leben stehen sie als Arbeitskräfte zur Verfügung.

00:09:51: das ist wichtig für die Wirtschaft.

00:09:53: Sie gründen aber auch Familien, sie haben Kinder.

00:09:56: Sie engagieren sich an ihrem Wohnort.

00:09:58: Sie machen eben damit das aus was wir die Gesellschaft nennen.

00:10:02: Das hat zuletzt auch eine große Studie des Berlin Instituts für Bevölkerung und Entwicklung so herausgestellt Die Studien und die Statistiken über die wir heute sprechen, die verlinken wir euch in den Shownotes.

00:10:14: In Ostdeutschland ist es doppelt wichtig, wie es der Jugend geht und ob sie vor Ort bleibt.

00:10:18: Zu Hause bleibt denn so viele Kommunen besonders auf dem Land haben schon seit nineteenhundert neunzig mit einer krassen Abwanderung und vor allem auch Überalterungen zu kämpfen.

00:10:29: Es gibt kaum noch Arbeitskräfte die verfügbar sind weshalb es diesen Region dann wirtschaftlich auch meistens nicht besonders gutgeht.

00:10:37: Was das noch schwieriger macht Es gibt deutlich weniger Jugendliche und junge Erwachsene in Ostdeutschland als in Westdeutsche.

00:10:44: In fast allen Landkreisen im Osten liegt der Anteil der Achtzehn bis Vierunddreißigjährigen unter dem Anteil, den man im Westen findet.

00:10:52: Eine Ausnahme im Oßen sind da eigentlich nur die Städte.

00:10:55: Was uns besonders interessiert hat ist ob die Menschen, die Jungmenschen immer noch so stark wie kurz nach der Wende den Osten gern Westen verlassen?

00:11:05: Statistiken sagen, dass seit nineteenhundert-einundneunzig insgesamt siebenhundertsiehmundzwanzigtausend zu dem Zeitpunkt achtzehn bis neunundzwantigjährige aus den ostdeutschen Ländern in den Westen gegangen sind.

00:11:17: Und das passiert tatsächlich immer noch im Jahr zwanzigdreien Zwanzig.

00:11:22: Das ist das wofür jetzt Zahlen vorliegen?

00:11:24: Da sind über siebentausend mehr junge Menschen von Ost nach West gezogen als eben andersrum.

00:11:32: Tim Leiberth, ein Wissenschaftler vom Leibniz-Institut für Länderkunde in Leipzig.

00:11:37: Der hat das eine Abstimmung mit den Füßen.

00:11:40: Zitat er war das genannt.

00:11:42: Er sagte dass diese jungen Menschen keine Perspektive sehen im Osten ein erfolgreiches Leben führen zu können.

00:11:49: Die älteren dagegen die gehen nicht so oft weg aus dem Osten

00:11:53: Aber aktuell, das sagt jedenfalls die Studie des Berlin-Instituts, zieht die Generation Z aus dem Osten.

00:11:59: Also die heute achtzehn bis fünfundzwanzigjährigen vor allem in ostdeutsche Großstädte wenn sie einen Studienplatz suchen oder eine Ausbildung.

00:12:08: und es gibt noch eine gute Nachricht, die aus den einschlägigen Jugendstudien für Ost und West hervorgeht Die Ostwestunterschiede in der jungen Generation sind geringer als in der Gesamtbevölkerung Und zu diesen Unterschieden gehören laut Studie zum Beispiel die Unterstützung der Demokratie als Staatsform, Institutionsvertrauen und auch ehrenamtliches Engagement.

00:12:30: Dass sich da die Unterschiede offenbar verringern, das finde ich auch besonders interessant und natürlich auch gut.

00:12:37: Dass diese Unterschiede kleiner werden – das zeigt sich nach den Worten der Wissenschaftler daran, dass deutlich mehr junge Ostdeutsche mit der Demokratie zufrieden sind als dass die Ostdeutchen insgesamt im Durchschnitt sind.

00:12:50: Das deutet darauf hin, dass sich die politischen Kulturen möglicherweise annäherend langfristig sagen, die Wissenschaftler!

00:12:59: Allerdings, und auch das zeigt ein Blick in all die Studien ist es schon noch immer so dass junge Menschen im Osten weniger zufrieden sind mit der Demokratie.

00:13:08: Und diese Zufriedenheit tatsächlich auch gerade wieder leicht zurückgeht.

00:13:13: Besonders junge Männer sind empfänglich für Rechtspopulismus und teilt sogar Rechtsextremismus.

00:13:19: Und wählen deswegen die AfD, das haben ja auch die letzten Landtagswahlen gezeigt.

00:13:23: Bei den jüngsten Landtagswahlen im Osten in Sachsen- und Brandenburg bekam die AfD bei den unter dreißigjährigen neunundzwanzig beziehungsweise dreizig Prozent.

00:13:33: In Thüringen waren es sogar bis zu achtunddreißig Prozent!

00:13:37: Da gab es einen erheblichen Rechtsruck.

00:13:44: Bei der Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern am zwanzigsten September dürfen ja das erste Mal Jugendliche ab sechzehn Jahren wählen.

00:13:51: Die Landeswahlleitung sagt, es gibt rund twenty-fünftausend minderjährige Wahlberechtigte dort.

00:13:57: und unsere Volontärin Pierre Schulz die war vor kurzem mit der Ostbeauftragten der Bundesregierung mit Elisabeth Kaiser von der SPD in Meckenburg- Vorpommer unterwegs und hat Kaiser zu den Themen der jungen Wähler befragt.

00:14:11: Ich erlebe das auch oft in meinen Schulklassen, bei denen ich eine Austausch bin.

00:14:17: Das beschäftigt sich schon wie teuer der Sprit auch ist für ihre Sinne oder für ihre Moped was sie fahren oder wie sie eben auch mit dem Bus oder mit der Bahn wegkommen von ihrem Ort um eben auch in die größere Stadt zu fahren und andere aus der Schule zu treffen in einem anderen Dorf.

00:14:31: Da spielt ja schon eine große Rolle.

00:14:32: Fahrrad ist auch Auch ein Thema, aber nicht so stark.

00:14:35: Ich glaube das ist schon eher der motorosierte Verkehr und eben auch eine verlässliche ÖPNV.

00:14:39: Das ist für junge Menschen tatsächlich ein riesen Thema und das muss man sich

00:14:43: anschauen.".

00:14:44: Sie sagt auch etwas zur Stimmung von Jugendlichen.

00:14:47: Es gibt natürlich die Jugendlichen, die sagen ich will mich einbringen, ich will was verändern.

00:14:52: Und es gibt diejenigen, die vielleicht auch schon ein bisschen teilweise auf den Eltern abgängend sein.

00:14:57: Das Gefühl der Benachteiligung, diese Kollektivität, die Privatsohn wie man so schon sagt, wie das empfinden.

00:15:04: Und wenn dann eben auch kein Skatepark, keinen Spielplatz, kein Jugendclub da ist, wird es ja auch bestätigt.

00:15:12: also das ist das was die Gefahr ist gerade bei jungen Menschen dass sie Perspektive verliert in eine gute Zukunft und dass sie dann auch anfälliger sind für Propolisten, für Radikalisierung.

00:15:23: Und Elisabeth Kaiser hat auch eine Einschätzung dazu, was denn wahlentscheidend sein könnte für viele junge Leute im Osten.

00:15:37: Sie wirklich haben eine Arbeit zu finden in der Region.

00:15:44: Wie sicher ist unser Land?

00:15:47: Aber eben auch gerade diesen Traum, die viele Generationen wie früher auch hatten, eine stabile Verhältnisse zu

00:15:52: haben.".

00:15:53: Das waren jetzt die Zahlen und die Statistiken also der Blick von außen auf eine Generation.

00:15:59: aber wie schon angekündigt wollen wir euch noch mitgeben unbedingt wie es sich denn anfühlt wenn man selbst Anfang Mitte zwanzig ist und in Ostdeutschland lebt.

00:16:13: Ein kurzer Hinweis in eigener Sache.

00:16:15: An diesem Podcast haben viele Journalistinnen und Journalisten des Tagesspiegels mitgearbeitet.

00:16:20: Solche Recherchen sind Teamarbeit, brauchen Ressourcen und Zeit.

00:16:24: Wenn ihr tiefgehenden und unabhängigen Journalismus unterstützen möchtet dann könnt ihr das mit einem Tagesspiegel-Abo machen.

00:16:30: Mehr Infos findet ihr unter tagesspiegel.de slash podcastabo Und natürlich bei uns hier in den Shownotes.

00:16:39: Unsere Volontärin Pierre Schulz hat auch mit dem Musiker Pablo Himmelsbach gesprochen.

00:16:44: Er ist Teil des Rap-Dos Hinterlandgängen aus Demien in Mecklenburg-Vorpommern, das ich persönlich auch sehr schätze.

00:16:51: Denn die Hinterlandgang ist politisch sehr stark unterwegs und thematisiert immer wieder in ihren Songtexten was die Jugend auf den Land braucht weil sie natürlich auch selbst vom Land kommt.

00:17:03: Ich glaube ein wichtiges Thema ist Begegnung.

00:17:06: Ein wichtiges Thema ist, dass es Ordet

00:17:08: gibt wo

00:17:09: Menschen und vor allem Jugendliche die auch einen unterschiedlichen sozialen Background haben im besten Fall zusammenkommen.

00:17:15: Und das nicht so ist, das Jugendliche vereinsamen sich im

00:17:20: Internet vor allem aufhalten

00:17:22: und sich im Extremenfall radikalisieren oder als Kulturen ein sehr wichtiger Punkt.

00:17:27: Vor allem geht's darum,

00:17:28: dass

00:17:28: Gelder dafür

00:17:29: sind für Veranstaltungen für die halt kein Eintritt jetzt oder kein hoher Eintritt gezahlt werden muss

00:17:36: dass natürlich

00:17:37: dann wieder Leute

00:17:38: ausschließt und ich glaube, so Ausschluss- und Zurückweisung macht es einfach ganz

00:17:43: viel emotional mit jungen Menschen.

00:17:45: Und tut überhaupt nicht gut und tut eher

00:17:47: weh.".

00:17:48: Was mich ziemlich bewegt bei allem was wir gehört haben ist das wie verbunden viele der jungen Leute sind mit ihrer Heimat?

00:17:55: Und wie sehr sie sich da engagieren?

00:17:58: Pablo Himmelsbach von der Hinterlandgeng beschreibt das für sich so.

00:18:01: Ich glaube, das ist aber auch für viele andere ein Thema, dass man sich verwurzelt fühlt, seine Region mitgestalten möchte und ich denke,

00:18:09: das ist halt auch etwas was hier möglich ist in MV.

00:18:12: Also hier ist nicht so viel Struktur da.

00:18:14: Das ist oft schwierig aber es gibt halt dann dadurch die Möglichkeit selbst mitzugestalten und Räume selbst

00:18:21: aufzubauen.".

00:18:22: Und genau das macht auch Rachel Hanff.

00:18:25: sie ist zwanzig Jahre alt und lebt in Wismar an der Küste in Mecklenburg-Vorpommern.

00:18:30: wir haben sie gebeten uns zu sagen Was sie an ihrer Heimat schätzt und was sie dort bewegt.

00:18:37: Die Frage nach Heimat ist für mich nicht leicht zu beantworten.

00:18:40: Aufgewachsen bin ich in Meyers Dorf, einem kleinen Dorf in der Nähe von Jamel.

00:18:45: Diese Region war sehr konservativ geprägt und teilweise auch von rechten Einstellungen beeinflusst.

00:18:50: Deshalb verbinde ich mit meiner Kindheit nicht nur positive Erinnerung.

00:18:54: Heute lebe ich in Wismar.

00:18:56: Auch wenn ich mich bis heute dort nicht vollständig zu Hause fühle, schätze ich dass viele Menschen zusammenhalten und sich für demokratie- und gesellschaftlichen Zusammenhalt einsetzen.

00:19:06: Das geht mir Hoffnung!

00:19:07: Und es ist vor allem das was ich an meiner heutigen Heimat sehr schätze.

00:19:14: Sowohl in meiner alten Als auch in meiner heutigen Heimat engagiere ich mich aktiv für Demokratie und Vielfalt.

00:19:21: In Griffis-Mühn habe ich zahlreiche Demonstrationen gegen Rechtsextremismus sowie für Vielfaltung und Toleranz organisiert.

00:19:29: Ein besonderes Herzensprojekt ist für mich der Christophers Street Day, im vergangenen Jahr habe ich den ersten CSD in Griffis Mühn organisiert!

00:19:37: In meiner heutige Heimat Wismar organisiere ich am zwölften September dieses Jahres bereits den zweiten

00:19:44: CSD.

00:19:45: Und so denkt Rachel über die politische Lage und den Blick auf Ostdeutschland.

00:19:50: Ich erlebe, dass rechte Strukturen im Osten wieder stärker werden.

00:19:54: Gruppierungen wie die jungen Nationalisten wachsen Es entstehen neue rechtsextreme Gruppen und auch die Jugendorganisationen der AfD werden aktiver.

00:20:04: Mit Blick auf die Landtagswahn am zwanzigsten September macht mir diese Entwicklung große Sorgen.

00:20:09: Gleichzeitig habe ich aber auch den Eindruck dass der Blick der Öffentlichkeit sehr stark auf den Osten gerichtet ist.

00:20:16: Dabei wäre es ein Fehler zu glauben, Rechtsextremismus sei nur ein ostdeutsches Problem.

00:20:22: Deshalb sollten wir nicht nur über den Ostens sprechen sondern vor allem über das eigentliche Problem rechtsextreme Ideologien und Menschen die sie verbreiten egal ob im Osten oder am Westen.

00:20:37: Uns hat außerdem die neunzehnjährige Lena aus Brandenburg eine Sprachnachricht geschickt.

00:20:42: Auch sie engagiert sich in ihrer Heimat, in einem Demokratiebündnis und in der Kirchengemeinde – vor allem auch weil sie eben Menschen wieder mehr zusammenbringen möchte!

00:21:07: oder damals während der EM Public Viewing-Angebote geschaffen.

00:21:10: Für mich ist es immer sehr schön zu beobachten, wie neue Freundschaften und Gemeinschaften

00:21:15: entstehen.".

00:21:16: Lena stört vor allem der negative Blick auf den Osten.

00:21:20: Oft sagen die Leute scherzhaft Dinge wie «Wenn ihr alle die AfD will können wir ja die Mauer wieder hochziehen».

00:21:26: Solche Aussagen finde ich teilweise echt ignorant – v.a.

00:21:29: denen gegenüber, die sich für Demokratie und Toleranz einsetzen oder die, die von der Politik der AfD negativ betroffen werden!

00:21:37: Außerdem glaube ich auch nicht, dass alle Wähler der hier als rechtsextremen eingestuften AfD selbst Rechtsextremisten sind und das man ihre Ängste und Sorgen auch ernst nehmen muss.

00:21:47: Brandenburg und der Osten besteht eben nicht nur aus der AfD sondern auch aus vielen engagierten Demokraten und jungen Leuten die sich sozial und politisch einbringen.

00:21:57: Aus Erfurt, der Landeshauptstadt von Thüringen berichtet uns Lilli van Vrede.

00:22:02: Lilli ist sechsundzwanzig – sie gehört der CDU an und sie gehört definitiv zu den sehr politischen und sehr engagierten jungen Menschen dort.

00:22:11: Schon zwanzig neunzehn wurde sie in den Erfurter Stadtrat gewählt, da war sie selbst erst neunzen Jahre alt.

00:22:17: Jetzt arbeitet sie im Ministerbüro des Thüringer Justizministeriums als Online-Kommunikationsreferenten und als persönliche Referentin der Ministerin.

00:22:27: Wenn ich an Heimat denke, dann denke ich zuerst an Erfurt aber auch vor allem an Thüringen, weil Thüringien so ein großartiges schönes Land ist mit so viel Kultur, so vielen Natur, soviel zu erleben dass man jedes Wochen eine Neue entdecken kann.

00:22:43: Ich treibe gerade in Erfurcht v.a.an Jugendlichen eine Stimme zu geben Weil ich damals fünfzehnjährige mit Freunden zusammen angefangen habe, dass er von der Schülerparlament zu gründen und in den letzten Jahren auch gegründet habe.

00:22:57: Das ist etwas das mich quasi schon immer begleitet hat, junge Menschen eine echte Stimme zu geben, eine Möglichkeit sich zu beteiligen und einzubringen um eben die eigene Heimat zu verändern.

00:23:10: Lilly hat uns ebenfalls die Frage beantwortet wie sie dem Blick auf den Osten wahrnimmt und wie sie sich selbst fühlt.

00:23:17: Ich finde es überhaupt nicht falsch, auch in meiner Generation noch darüber zu reden dass wir Ostdeutscher sind weil es tatsächlich immer noch Unterschiede gibt.

00:23:26: Mir gefällt doch das wir damit unsere Geschichte herausstellen Das was die Generation vor uns meine Eltern meine Großeltern erlebt haben In der DDR in der Diktatur und sich dem bewusst zu sein und davon auch abzuleiten, wie wir hier handeln.

00:23:44: Die Politik hier gestaltet wird.

00:23:47: Der Blick auf den Osten ist mir dabei häufig zu negativ.

00:23:50: Er erkennt nicht an dass diese Geschichte uns eben bis heute bewegt das sie Generation geprägt hat die jetzt meine Generation eben auch

00:24:00: prägen.

00:24:01: Und sich dem bewusst zu machen glaube ich würde ein positiveres Bild auch auf den osten

00:24:07: werfen.

00:24:09: Von Erfurt reisen wir jetzt weiter ins Jährich-Johrland nach Sachsen-Anhalt.

00:24:13: Hier kommt Hannes Kreschel her, Hannes ist dreiundzwanzig Jahre alt studiert Jura und kandidierte bei den Kommunalwahlen in Halle schon für die SPD.

00:24:22: Mittlerweile erreichte er mit seinen Videos von rechtsextremen Demonstrationen hunderttausende Menschen im Netz es ja nämlich als Politikinfluencer unterwegs.

00:24:30: auch ihn haben wir nach seinem Heimatbegriff gefragt.

00:24:35: Was ich an meiner Heimat an Sachsen-Anhalt eigentlich mag, ist das es sehr viel Land.

00:24:38: Es ist sehr viel Fläche, es ist sehr breit, es is sehr grün,

00:24:41: es gibt viele Natur.

00:24:43: Es gibt ja auch vieles zu erleben und vieles entdecken.

00:24:46: Und nicht alles ist

00:24:47: irgendwie blöd oder schlecht.

00:24:50: Das ist auch ein bisschen das was ich versuche bei meinem Engagement

00:24:52: zu zeigen.

00:24:53: Ich glaube Sachs Anhalt hat in den letzten Jahren viel

00:24:55: gelitten,

00:24:56: auch nach der Wende insbesondere.

00:24:57: Aber es gibt auch positive Erzählungen!

00:24:59: Es gibt viele Leute die sich vor Ort

00:25:01: für Zivilgesellschaften,

00:25:02: für Courage, für Demokratie einsetzen.

00:25:04: Und so blickt Hannes auf den Osten.

00:25:07: Natürlich mit Besorgnis,

00:25:08: aber auch mit einer gewissen

00:25:10: Portion Hoffnung.

00:25:11: Immer mehr Leute fragen

00:25:12: sich dort an politisch zu engagieren in Vereinen und Zivilgesellschaften.

00:25:16: Die Leute fangen

00:25:16: an was zu tun!

00:25:17: Das finde ich extrem

00:25:18: geil und das finde

00:25:18: ich gut und würde mir wünschen dass es ein diverseres Bild auf dem Osten gibt.

00:25:22: Dann im Osten geht bekanntermaßen die Sonne auf.

00:25:25: Wer bis hierhin aufmerksam zugehört hat wird bemerkt haben, dass wir aus allen ostdeutschen Bundesländern eine junge Stimme gehört haben – Mit Ausnahme eines Landes Sachsen.

00:25:35: Die Heimat von Jonas Löschau, er ist sechsundzwanzig Jahre alt in Bautzen geboren und aufgewachsen und sitzt für die Grünen im Stadtrat macht also auch hier in Baudzen Kommunalpolitik.

00:25:46: Auch ihn haben wir gefragt was ihm an seiner Heimat gefällt.

00:25:50: An meiner Heimat mag ich erstmal dass sie landschaftlich total hübsch ist Also Die Natur, viele Sehenswürdigkeiten.

00:25:57: Architektonisch ist es total schön!

00:25:59: Ich mag auch die total reiche Kulturlandschaft, die gerade durch das Sorbische noch mal so einen totalen Unikfaktor irgendwie auch bekommt... ich mag tatsächlich auch dass die Menschen so pragmatisch sind in vielen Dingen und sich nicht so lange irgendwie im Kopf verlieren sondern einfach auch mal irgendwie mit anpacken.

00:26:18: Und tatsächlich mag ich aber auch ein bisschen den Wandel der letzten Jahre stattgefunden hat Gerade unsere Region oder auch unser Stadt, für viele Negatives in Medien gerade bekannt ist.

00:26:30: Aber zu sehen wie viele Menschen dabei sind und positive Sachen anpacken.

00:26:35: Egal ob beim CSD- oder bei Kulturveranstaltungen beim Happy Monday die zusammenstehen, zusammengewachsen sind, die gemeinsam was Positives schaffen wollen... Das finde ich unglaublich wertvoll und wird manchmal ein bisschen zu wenig

00:26:46: gesehen.".

00:26:47: Und auch Jonas hat uns erzählt, was ihn bewegt.

00:26:50: Ansonsten ist das wertvollste der CSD.

00:26:53: Also einerseits irgendwie vor Ort queeren Menschen, jungen Menschen eine Stimme zu geben die sichtbar zu machen in der Region und auch einen Schulterschluss zu schaffen zur breiteren Mitte, die bis dahin noch gar nichts mit dem Thema zu tun hatte als auch in ganz Deutschland darauf aufmerksam zu machen welche Lebensrealitäten Queers in Ostdeutschland ... und gerade aber auch in ländlichen Regionen haben, das finde ich ultra wichtig.

00:27:20: Ich glaube tatsächlich, dass der Blick auf den Osten sich in den letzten Jahren ein Stück gedreht hat.

00:27:26: Ich erlebe auffrichtigeres und ehrliches Interesse an Lebensrealitäten aus Ostdeutschland.

00:27:35: Menschen blicken nicht ausschließlich irgendwie mit dieser ... Teil ist echt eine richtig überhebliche Brille einzigen Blick auf unsere Region, sondern fang auch an Interesse zu zeigen an den positiven Geschichten die wir zu erzählen haben.

00:27:52: An den Schattierungen die wir erzielen haben

00:27:57: diesen positiveren Blick auf Ostdeutschland.

00:28:00: Den wünschen sich auch einige von euch in den Nachrichten, die er uns schickt und für die wir uns ganz herzlich bedanken.

00:28:07: Allein diese Auseinandersetzung darüber was denn der Osten?

00:28:10: Den es Porsche natürlich so eigentlich nicht gibt genauso wenig wie den Westen Was denn der osten eigentlich ist was ihn auszeichnet wo Probleme sind das ist für mich total wertvoll Angefangen bei der Frage, warum muss man überhaupt noch gesondert über Ostdeutschland sprechen?

00:28:28: Und diese Frage hat Lilly für mich gut beantwortet.

00:28:31: Sie hat ja gesagt auch damit anerkannt wird dass die Geschichte bis heute bewegt und Generationen geprägt hat – und eben bis heute prägt!

00:28:40: Ich finde es besonders wichtig, dass die jungen Leute aus dem Osten nicht mit den selben Vorteilen über diesen Teil Deutschlands konfrontiert werden.

00:28:48: Die es schon seit der Wende gibt.

00:28:50: viele glauben ja immer noch Der Ostensei vor allem ziemlich rückständig.

00:28:54: das ist sicherlich in manchen Bereichen noch so aber längst nicht in vielen oder allen.

00:28:59: da muss man den jungen Menschen einfach zuhören

00:29:02: Und das machen wir weiterhin sehr gerne.

00:29:06: Also wenn ihr Gedanken habt, die er loswerden möchtet oder euch ein Thema am Herzen liegt, dass wir behandeln sollten dann meldet euch bei uns!

00:29:14: Jetzt kommen wir aber erst mal zu noch mehr gutem aus dem Osten nämlich in unserer Rubrik...

00:29:21: Ostgold

00:29:25: ist ohne Frühstück.

00:29:26: Was sollen dit?

00:29:27: Deinetwegen bin ich extra nicht arbeiten gegangen

00:29:29: Ist auch ohne Diskussion.

00:29:34: Wie war

00:29:34: das?!

00:29:37: Dieser Film-Dialog, den wir hier gerade nachgesprochen haben, der ist Kult.

00:29:41: Zumindest im Osten!

00:29:43: Er stammt aus Solo Sunny, einem Film von

00:29:54: Dialogen.

00:29:54: eben wie ist ohne Frühstück.

00:29:57: Manche von euch kennen Kohlehase vielleicht, der hat auch nach der Wende bekannte Filme gemacht als Drehbuchautor Sommer vom Balkon.

00:30:05: es war ein großer Berliner Film gewesen aus dem Jahr zwei tausendundfünf und zuletzt hat er gemacht zwanzig siebzehn in Zeiten des abnehmenden Lichts.

00:30:13: das war die Verfilmung dieses tollen Buches von Eugen Ruge.

00:30:18: Aber Solo-Sunny, das ist wirklich ein ganz besonderer Film.

00:30:21: Er gehört zu den berühmtesten Filmen der DEFA.

00:30:24: Das war die Traumfabrik der DDR.

00:30:27: Die DEFA gibt es natürlich nicht mehr aber sie wird gerade groß gefeiert weil sie vor achtzig Jahren gegründet worden ist.

00:30:35: Warum Sie heute so gefeuert wird und was man über die DEFA unbedingt wissen sollte darüber sprechen wir jetzt mit.

00:30:41: Lena Schneider Unsere Kollegen ist Kulturredakteurin bei den Potsdamer Neuesten Nachrichten und eine ausgewiesene Expertin für Kultur aus Ostdeutschland und aus der DDR.

00:31:00: Liebe Lena, herzlich willkommen bei uns im Podcast!

00:31:03: Die DEFA hat sehr viele Generation in der DDR geprägt.

00:31:07: was ist denn von ihr geblieben?

00:31:09: Ja hallo Julius hallo Sabine.

00:31:11: schön dass ich dabei sein darf.

00:31:13: Das ist eine große Frage, aber glaube ich relativ banal in einem ersten Schritt zu beantworten.

00:31:18: Denn es sind natürlich die Filme geblieben.

00:31:21: Viele viele Stunden Film also über vierhundert entschuldigt siebenhundertfünfzig Spielfilme sind entstanden zwischen nineteen Sechs und vierzig unter Auflösung der DEFA im neunzehn zweihundneunzig, zweitausend fünfhundert dokumentaren Kurzfilme und fast Eintausend Animationsfilme, also es ist ein riesiges filmisches Werk aus dem man noch heute erschöpfen kann.

00:31:47: Was kann man denn konkret heute aus diesen Filmen der D-Verlernen gerade auch über den Osten und vielleicht auch im Hinblick auf Menschen die gar nicht aus dem Osten kommen und sich diese Filme anschauen sollten?

00:32:02: Da hilft einem sehr eine Ausstellung auf die Sprünger, die gerade in Potsdam zu sehen ist im Filmmuseum Protsdam zu achtzig Jahren.

00:32:13: Deva-Film ohne Frühstück, ohne Diskussion heißt die.

00:32:16: Und als ich die vor ein paar Tagen gesehen habe war mein erster Eindruck was für eine unglaubliche Vielfalt dieses Filmerbe der Deva umfasst.

00:32:26: also Was man glaubt zu kennen ist garantiert nicht alles selbst wenn man wie Ich schon einige Deva Filme gesehen hat.

00:32:35: und ich glaube das was man sehen kann, wenn man durch diese Ausstellung geht oder wenn man sich einige Filme anschaut ist dass der DDR Alltag so wie auch das DF Film schaffen viel vielfältiger und diverser war als man das heute so denkt.

00:32:51: Also man hat die bekannteren frühen Filme vielleicht die Antikriegsfilme die man kennen mag wie die Mörder sind unter uns.

00:32:59: Man hatte aber auch Komödien also es wurde viel gelacht und gerne gelacht natürlich.

00:33:05: Jetzt sehr bekannten Tabotsfilme wie Carla zum Beispiel.

00:33:10: Also Filme, die viele Jahrzehnte nicht gezeigt werden konnten aber auch Propagandafilmwerk natürlich.

00:33:16: das gab's auch also hart am Wind ein Werbefilm für die NVA Die Armee der DDR.

00:33:22: Das gab es auch in.

00:33:23: all das stand nebeneinander und steht auch heute nebenan.

00:33:26: wenn man das anschaut das finde ich unglaublich lehrreich.

00:33:29: Was sind denn sonst noch so für Filme?

00:33:31: Die man deine Meinung nach Also wirklich jetzt deinen ganz persönlichen Einschätzen gesehen haben sollte.

00:33:38: Und vielleicht auch warum?

00:33:40: Also hier kommen meine drei Favoriten, es gibt wahrscheinlich morgen wenn ich morgens frag wie ans andere aber Solosani gehört unbedingt dazu.

00:33:47: also das ist einfach ein großartiger Film.

00:33:50: die Dialoge von Wolfgang Kohlhase sind unglaublich zeitgemäß und Konrad Wolff ist ja auch einer der wichtigen Beschisseure.

00:33:58: also Solosanni diese Berliner Ostberliner Hinterhofwelt in die man dann auch einmal eintauchen kann mit einer wirklich tollen Renate Krössner, die jeder kennen sollte gehört dazu muss dazugehören.

00:34:12: Nummer zwei wäre für mich eine der sogenannten Verbotsfilme ist einer der mich sehr berührt hat als ich den vor ein paar Jahren zum ersten Mal gesehen habe.

00:34:21: denkt bloß nicht ich heule von Frank Vogel.

00:34:25: Er wurde erst mal gezeigt, wo er ist.

00:34:31: Er musste jahrzehntelang auf seinen Auftritt warten und spielt in Weimar.

00:34:38: Man sieht einen Abiturienten von Peter Reusse, der aber aussieht wie Jean-Paul Belmondo.

00:34:46: Sehr cool, sehr lässig, der von der Schule geschmissen wird und dann ein bisschen so'n Antiprogramm fährt Und alles verweigert und darüber in Gespräch kommt mit Leuten an seiner Schule, mit einem jungen Mädchen.

00:34:59: Mit einem Lehrer der im KZ saß.

00:35:01: Unweit von Weimar, den Buchenwald.

00:35:03: das ist auch Thema.

00:35:04: Es ist ein filmisch unglaublich tolles Werk von uns aus der fünfundsechzig.

00:35:10: Rund die Nummer drei.

00:35:10: für mich ist Winter-AD von Hedke Misselwitz also weil es ein Dokumentarfilm ist eine der wenigen Frauen die sehr beeindruckende Filme gemacht hat.

00:35:21: Der hatte im Februar nachtzig Premiere und nimmt so die Stimmung der späten DDR wirklich auf.

00:35:27: Also, wenn man den Bogen schlagen will von diesen frühen Jahren bis in die späte Zeit dieses Landes Frauen werden dort porträtiert verschiedener Herkunft aus verschiedenen Hintergründen sehr beeindruckt.

00:35:40: Eine ganz wunderbare Antwort, die mich auch beeindrucket.

00:35:43: Vielen vielen Dank für die Einordnung und für die Empfehlungen Und ich glaube jetzt können wir die Idee verandern sehen.

00:35:49: Danke euch

00:35:56: Ja, ich bin ja erst nineteenhundertachtundneunzig geboren.

00:35:59: Dementsprechend gab es zu dieser Zeit keine Defer mehr.

00:36:02: und dieses Gespräch mit Lena das hat mir jetzt wirklich gezeigt.

00:36:05: Ich muss einige dieser Filme unbedingt gucken.

00:36:08: Da habe ich dir was voraus.

00:36:10: Erstens mein Geburtsjahr, das ist nämlich neunzehntseinundsiebzig Das heißt damals gab es die Deva noch.

00:36:15: aber ich bin in West Berlin groß geworden Aber mit sehr viel Bezug an den Osten Denn meine Mutter kommt aus Prag und meinen Vater aus Cottbus.

00:36:23: Der ist nach West Berlin gekommen weil er nach einer versuchten Republikflucht Aus dem Gefängnis freigekauft worden ist.

00:36:30: Insofern hatte ich schon immer einen Blick auf den Oston Und hab die DDR als Kind erlebt wenn ich dann meiner Oma besucht habe oder meine Verwandten, aber tatsächlich habe ich vieles über das Leben in der DDR erst später gelernt und begriffen auch dank der Filme der DEFA.

00:36:46: Wir empfehlen also ganz grundsätzlich mehr aus dem Osten zu gucken, aber auch zu hören... Vor allem natürlich uns.

00:36:53: Nächsten Donnerstag kommt schon die nächste Folge unseres Podcasts, diesmal wieder mit unserem Kollegen Robert Ide.

00:36:58: Wir bedanken uns heute bei euch fürs Zuhören und freuen uns wenn ihr uns weiterhin Feedback sendet und den Podcast abonniert damit ihr keine Folge mehr verpasst!

00:37:08: Wenn ihr Vorschläge habt und Hinweise gerne auch für spezielle Themen die wir hier besprechen sollen erreicht ihr uns per Mail an podcastatagespiegel.de oder über die gängigen Podcastplattformen.

00:37:20: Außerdem lohnt es sich natürlich unseren kostenlosen Newsletter im Osten zu abonnieren und auf jeden Fall dem Tagesspiegel auf Instagram zu folgen, wo ihr uns auch bei der Arbeit sehen könnt.

00:37:31: Wir hören uns nächste Woche wieder aus dem Osten für

00:37:42: alle!

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